Heiko Schilling, Zahnarzt
Leimen

Dissertation
  1. Bei der labortechnischen Herstellung von Zahnersatz nehmen Sägeschnittmodelle eine Schlüsselposition ein. Die vorliegende Studie analysiert daher Qualität und Effektivität derzeit auf dem Markt befindlicher unterschiedlicher Modellsysteme. Es erfolgt allerdings eine Beschränktheit auf die gängigsten bzw. neu in Erscheinung getretenen Systeme- Pindex, model tray, Zeiser, MODU und Quick-Pin (denmedico).

  2. Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde daher über experimentelle Untersuchungen sowie Labor-und Praxisanalysen ermittelt, inwieweit insbesondere Zeitersparnis, Handlung, Umweltverträglichkeit, Wartung und Pflege als auch Trainingserfahrung, Universalität und Folgekosten bei der Meistermodellherstellung eine Rolle spielen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, sowohl dem Zahnarzt als auch dem Zahntechniker wesentliche Anhaltspunkte zur Entscheidung über ein dem jeweiligen individuellen Anspruch genügendes optimales Modellsystem zu liefern.

  3. Die experimentelle Untersuchung ergab, dass sich unter Berücksichtigung der reinen Arbeitszeit das Quick-Pin-Modellsystems als das schnellste System herausstellte, unmittelbar gefolgt vom MODU-System. Demgegenüber besitzt model tray das größte Gipsabbindeintervall und somit auch die längste Gesamtherstellungszeit. Fehlerfrei arbeitet entsprechend der Fehleranalyse nur das MODU-System.

  4. Die Laborrecherche erbrachte bezüglich des Pindex-Modellsystems die schlechteste Einschätzung (Benotung), Danach folgten model tray und Zeiser.

  5. Aus der Sicht des Dentallabors sind v.a. einfaches Handling und Zeitersparnis Hauptentscheidungskriterien für eine Anwendung des model tray Systems. Der seitens des Dentallaboratoriums propagierte Zeitgewinn beim Arbeiten mit dem letztgenannten System konnte durch die vorliegende Studie nicht bestätigt werden. Zu widerlegen wären ebenfalls Universalität und einfaches Handling für die Anwender des Pindex-Modellsystems.

  6. In 10,7 % aller Fälle sind nach dem Rohguss laborseitig zu schwache Approximalkontakte bei prothetischen Versorgungen gefunden worden, wohingegen die Okklusionsverhältnisse als regelrecht angegeben werden. Eine hohe approximale Ausschussrate weist das Pindex-System (30 % korrekt, 30 % zu schwach) auf.

  7. Die befragten Zahnärzte konnten auf nur 42 % korrekte Approximalkontakte verweisen (16 % in vivo zu schwach, 42 % zu stark). Auch die In vivoOkklusionskontakte werden in 37 % der Fälle als zu stark sowie bei 5 % der Patienten als zu schwach eingeschätzt.

  8. Seitens der Dentallaboratorien wird angegeben, daß sich 78,6 % der Zahnärzte über zu starke Approximalkontakte beklagen würden. Bei dieser Einschätzung schneidet Pindex am ungünstigsten ab, wobei model tray die schlechtesten Okklusionskontakte liefert.

  9. Auf die Wahl des Modellsystems übt der Zahnarzt kaum Einfluss aus, nur in 9 % der Fälle. Er favorisiert bezüglich des Handlings das model tray-System gegenüber Zeiser und Pindex. Eine stetige Auslieferung prothetischer Arbeiten im Artikulator wünschen sich allerdings 50 % aller befragter Zahnärzte.

  10. Ueber den Verbrauch an Klasse IV-Gips bei der Meistermodellherstellung können die Dentallaboratorien keine genauen Angaben machen. Experimentell konnte ermittelt werden, dass nur das MODU-System ökologisch günstig arbeitet. Es entsteht reiner Gipsabfall (nur Klasse IV). Bei den anderen Systemen der Studie ist der Abfall weitaus schwerer zu recyclen.

  11. Der experimentell ermittelte Arbeitsaufwand zur Erstellung von Sägeschnittmodellen mittels tray deckt sich mit den Ergebnissen der Laborrecherchen. Die benötigte Zeit für das Pindex-System wird dagegen unterschätzt.

  12. Hinsichtlich Handling und Trainigseffekt erwies sich MODU als das ausgereifteste System. Am kompliziersten erweist sich das Zeiser-Modellsystem.

  13. Bei der Ermittlung der anfallenden Kosten sollten Arbeits-und Wartezeiten von ausschlaggebender Bedeutung sein. Unter diesem Aspekt und der zu erwartenden Folgekosten erweist sich MODU als das ökonomischste System der vorliegenden Untersuchung.

  14. Reproduzierbare Ergebnisse und gleichbleibende Qualität der Meistermodelle können nur gewährleistet werden bei strenger Einhaltung der Herstellerangaben was in der Praxis nicht uneingeschränkt der Fall ist. Es besteht jedoch eine große Bereitschaft zum Wechseln auf ein vorteilhafteres Modellsystem (bei 65,6 % der befragten Dentallaboratorien).

  15. Nach den vorliegenden Untersuchungsergebnissen bewies nur das MODUSystem ein ausgeprägtes universelles Anwendungsspektrum. Dem gegenüber konnte wiederlegt werden, dass dieser Tatbestand (Meinung der Dentallaboratorien) insbesondere für das Pindex-System zutreffen würde.

  16. Die Resultate der Praxisrecherche verdeutlichten die Notwendigkeit des Ueberdenkens bisheriger Modellsystemanwendungen als auch die Intensivierung einer diesbezüglichen stärkeren Kommunikation zwischen Zahnarzt und Zahntechniker. Unter bevorzugter Beachtung der Parameter Rationalisierung, Ökonomie und Okologie ist das MODU-System zur Qualitätssicherung bei der Meistermodellherstellung besonders zu empfehlen. ptome sollen bei permanentem Vorhandensein auf das Vorliegen einer Amalgambelastung hinweisen.


Copyright © by Elmar Rath - 21.03.2001, webmaster